Corona, die Klimakrise und ich

Ich bin 1965 geboren und seit ich denken kann, war die Umwelt für mich Thema. Waldsterben, atomare Bedrohung, erste Atomkraftwerken und vor allem hatte mich die Serie „Es ist noch was zu retten“  schwer beeindruckt, die Mitte der 1970er lief, und in der man uns für 2009 eine mondähnliche Wüstenlandschaft  prophezeite.

Mode war zu der Zeit unmodern, man lief in Jeans und Parka rum und engagierte sich- vor allem für die Umwelt.

Ich habe mich nie politisch engagiert, für mich selbst nur Konsequenzen gezogen, Energie gespart, Autofahren vermieden, erst wenig, dann kein Fleisch mehr gegessen, möglichst Bio eingekauft, Plastik vermieden- und habe auf die Politik gehofft, dass sie die grundsätzlichen Veränderungen in Angriff nimmt und vieles wurde auch erreicht.

1978 bildete sich die Grüne Partei  (damals  noch als Alternative Liste), ein Umweltministerium entstand 1986. FCKW wurde verboten als man die Ozonlöcher entdeckte,  Rauchgasentschwefelungsanlagen wurden eingebaut als man das Waldsterben infolge des sauren Regens entdeckte.

Ab 1980 wurden die ersten Klimamodelle entwickelt, die einen Temperaturanstieg und Klimawandel vorhersagten. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Umwelt ein wichtiges Thema in der politischen Debatte und in den Medien.

Dann kam die Wende und mit ihr viele neue Probleme, dann der 11.09.2001 mit den Anschlägen auf das Word Trade Center, die den Irakkrieg nach sich zogen, 2007 die Weltwirtschaftskrise, 2015 dann die Flüchtlingskrise und jetzt Corona.

Alles wichtige Ereignisse, die leider die volle Aufmerksamkeit auf sich ziehen und alles andere- vor allem medial- in den Hintergrund drängen- so auch immer wieder das Umweltthema und insbesondere die Klimakrise.

Dabei war und ist dies die weitaus größte Bedrohung von allen, weil sie nicht zeitlich absehbar, sondern ab einem bestimmten Punkt unwiderruflich endgültig ist. Wenn wir diesen Kipppunkt erreicht haben, kann die  Katastrophe nicht mehr aufgehalten werden. Und dies ist nicht die Panikmache aus den 70ern, sondern die reale Warnung der Mehrheit der Wissenschaftler.

Diese Erkenntnis wird leider immer wieder durch das aktuelle Tagesgeschehen aus den Medien und damit aus Köpfen der Menschen verschwindet. Nein, die Erhöhung der CO2-Steuer darf nicht  verschoben werden, der Ausbau des ÖPNV und der Bahn muss weiter intensiviert werden, ebenso der Fahrradwege, der Ausbau der regenerativen Energie muss weiter stattfinden, die Kohlekraftwerke müssen allerspätestens  2038 abgeschaltet werden– besser früher, der Ausstieg aus der Atomkraft muss stattfinden.

All die Maßnahmen kosten Geld. Geld, das  nach der Coronakrise knapp werden wird, aber an dieser Stelle DARF NICHT GESPART WERDEN.

Wie viel werden uns Trockenheit, Orkane, Überschwemmungen kosten? Der Anstieg der Meeresspiegel und den mit den Naturkatastrophen verbundenen Völkerwanderungen? Es gibt keine gefährlichere Krise. Es klingt pathetisch, aber es geht um alles.

Wir können allerdings einiges aus der Coronakrise lernen, was ich mir zur Bewältigung der Klimakrise wünschen würde:

  • Die Krise schweißt zusammen, Parteipolitik interessiert nicht, und: die AfD hat keine Antworten
  • Politik kann sich auch gegen wirtschaftliche Interessen durchsetzen- was in der jetzigen Form hoffentlich nie wieder vorkommen muss.
  • Experten sollten gehört und ihre Empfehlungen befolgt werden
  • Einschnitte und Beschränkungen sind möglich und werden von der Bevölkerung akzeptiert, wenn sie den Ernst der Lage erkennt.
  • Wichtig die Erkenntnis: Maßnahmen und Wirkung erfolgen zeitverzögert; das bedeutet, dass wir konsequent, umfassend und sofort handeln müssen, obwohl es uns noch gut geht.
  • Die Krise ist grenzübergreifend, globale Forschung und Lösungen sind anzustreben
  • Globalisierung muss neu überdacht werden, in Hinblick auf die Unabhängigkeit in Krisensituationen (Medikamente, Schutzausrüstungen), aber auch in Hinblick auf Nahrungsmittel und Energieversorgung
  • Eingriffe in die Tier- und Pflanzenwelt (Abholzung der Regenwälder, Vermarktung von Wildtiere), Massentierhaltung etc. haben ihren gesundheitlichen Preis
  • Reisen können durch Online- Meetings ersetzt werden, Arbeitswege durch homeoffice, viele Wege durch das Fahrrad
  • Wie schön sind Straßen mit wenig Autos, wenig Fluglärm und kondensstreifenfreier Himmel
  • Wie wichtig sind Parks und Natur- auch und gerade in und um Großstädte
  • Wie entspannt ist ein Leben ohne Kaufwahn, Friseurtermin, Nagelstudio
  • Und wie wichtig sind das Gesundheitssystem und systemrelevante Berufe. Diese zu fördern und dauerhaft ausreichend zu vergüten sollte uns allen ein Bedürfnis sein.

… übrigens ist es schon wieder viel zu  trocken draußen…

Karin von Werner, April 2020